Abschiedsfest PDF Print E-mail
Saturday, 24 January 2009
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Wie bereits im letzten Beitrag erwaehnt, geht es nun mit windeseile dem Abflugtermin entgegen. Gestern war ich auf dem Verkehrspruefzentrum, um mein Motorrad auf seinen neuen Besitzer zu ueberschreiben. Das wird sicher locker 2-3 Stunden in Anspruch nehmen, dachte ich so bei mir. Nach zwei Stunden wurde der Kaeufer bereits nervoes, so dass Kennedy und ich ihm gut zureden mussten. Und weitere vier Stunden spaeter war es dann schliesslich soweit: Wir konnten die neuen Papiere entgegennehmen. Zusammen mit der Hin- und Rueckfahrt nahm das Ganze schliesslich nur gerade mal 9 Stunden in Anspruch. So gehen die Tage hier auch vorbei, und wer dachte, ich verbringe meine letzten Tage gemuetlich am Strand, hat weit gefehlt. Aber gelohnt hat sich das allemal, denn die rund CHF 500.-, welche aus dem Verkauf hervorgingen, werde ich nun in Schulgebuehren, Schuluniformen und weitere durch den Schulbesuch anfallende Kosten investieren koennen. Der Kaeufer ist uebrigens ein Taxifahrer, welcher noch nie zuvor auf einem Motorrad sass. Er habe das auch mit dem Auto so gemacht: Kaufen, in der Nacht etwas ueben und am naechsten Tag gehts dann bereits auf die Strasse. Anfangs haetten die anderen Fahrer schon oefters gehupt, wenn er den Wagen mitten auf einer Kreuzung abwuergte, mittlerweilen gehe es aber ganz gut. Na da kommt doch Freude auf: Bei diesem dichten Verkehr, den vielen lebensmueden Trotro Fahrern und den schlechten Strassen ist es doch einfach beruhigend, wenn die Taxifahrer hochqualifizierte Verkehrsteilnehmer sind.. ;-)

Daneben bin ich vorwiegend damit beschaeftigt, mich zu verabschieden. Und heute findet, ironischer Weise, das Willkommensfest fuer die neu eingetroffenen Studierenden statt. Da ich auch eingeladen wurde, bezeichne ich das doch einfach als Abschiedsfest ;-)
Nachfolgend einige Abschiedsimpressionen:

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"Meine" Kinder in Oyarifa, welche mit mir kommen wollten

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Mein Professor und ich in seinem Buero

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Die wilde Bande, welche bald die Schule besuchen wird (mit Ausnahme des Kleinsten ganz links, er hat noch etwas Zeit... ;-)

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Nimm mich mit, scheint Alex zu sagen (ich spreche ja leider kein Ewe)

Nun denn, stay connected, Gruss, Pascal
 
Maximale Ausschoepfung des Humankapitals PDF Print E-mail
Thursday, 22 January 2009
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Lange ist es her, seit ich das letze mal etwas in diesen Blog schrieb, doch nun soll es wieder soweit sein. Wo waren wir denn stehen geblieben? Ah ja, bei Weihnachten. Das war wirklich eine ruhige, besinnliche Zeit. Im Gegensatz zu der totalen Vermarktung Zuhause ist hier in Ghana nicht viel zu spueren waehrend der Adventszeit. Wenn der Kalender nicht Dezember zeigen wuerde, wuerde eigentlich nichts auf die bald kommende Weihnachtszeit hinweisen. Das Wetter war wie immer warm und bestaendig, die Leute relaxt und die Strassen nicht geschmueckt. Den Weihnachtsabend selbst verbrachte ich dann mit Ben, seiner Schwester und Ophelia in der katholischen Kirche, die einzige auf dem Campus, welche einen entsprechenden Gottesdienst anbot.

Am 26. gings dann auch schon los Richtung Suedafrika. Dieses Land praesentierte sich uns in den drei Wochen sehr farbenfroh und bezauberte uns mit laendschaftlicher Schoenheit und herzlichen Menschen. Ich will aber diesen Blog nicht zweckentfremden, schliesslich soll hier primaer ueber Ghana berichtet werden. Ich werde mich deshalb ganz kurz halten und nur die Bildungsthematik streifen, da sie mit meiner Arbeit hier in Ghana einiges gemein hat. Aufgrund der Ferienzeit war es mir leider nicht moeglich, eine der Schulen vor Ort zu besuchen. Auf meinem Rueckflug nach Accra traf ich aber einen Suedafrikaner, dessen Frau in einer Schule in einer laendlichen Gegend unterrichtet. Und es scheint so, als haette Suedafrika viel mit Ghana gemein. So ist die Problematik der Schuluniformen zum Beispiel auch bekannt. Wer sich keine leisten kann, muss der Schule fernbleiben, auch wenn diese selbst frei von Gebuehren ist. Weiter ist das Sprachproblem verbreitet, besonders in laendlichen Gebieten. So glauben viele der Lehrkraefte, dass ihre Schueler den Stoff besser aufzunehmen vermoegen, wenn sie in einer der 11 lokalen Sprachen unterrichtet werden. Das Problem dabei ist, dass in der Oberstufe dann nur noch in Englisch unterrichtet wird und deshalb viele der Schueler dem Unterricht nicht mehr folgen koennen, da sie der englichen Sprache nicht maechtig sind. Wie bereits erwaehnt, zeigt sich dieses Phaenomen besonders in aermeren, laendlichen Gebieten. Dies ist insbesondere deshalb ein ernstzunehmender Umstand, als dass Bildung als ein Weg aus der Armut angesehen wird. Nelson Mandela bezeichnete Bildung gar als die staerkste Waffe gegen Armut ueberhaupt. Und wenn wir gerade bei Nelson Mandela sind: auf unserer Reise quer durch die Transkei, einem der ehemaligen Homelands (Reservate) fuer die schwarze Bevolkerung, hatten wir die Moeglichkeit, mehr ueber ihn und sein Werk zu erfahren. Nahe seines ehemaligen Geburtsortes steht seit 2001 ein Museum, und die Schule, welche er besuchte oder die Kirche, in welcher er getauft wurde, koennen ebenfalls besucht werden. Auch ueber seine Kindheit laesst sich mehr erfahren: wie er etwa mit den Kuehen auf dem Feld umherrannte, glitschige Felsmassen hinunterglitt oder sich im nahegelegenen Fluss ein Bad goennte. Trotz (oder gerade wegen?) der immer noch verbreiteten materiellen Armut in dieser Gegend findet sich ein grosser Reichtum an Lebensfreude und sozialem Zusammenhalt. Und ich frage mich, wo ich meine Kinder einmal eher aufwachsen sehen moechte: hier, wo sie noch "Kind sein duerfen", oder in der Schweiz, wo auf die Abklaerung bei der Erziehungsberatung die Logopaedie folgt, flankiert durch eine medikamentoese ADHS Behandlung, abgeloest durch eine Spieltherapie und spaeter eine psychologische Betreuung. Und dies alles nur, um bereits in jungen Jahren das "Beste" aus unseren Kindern herauszuquetschen. "Maximale Ausschoepfung des Humankapitals" liest sich als Begruendung fuer die Fruehfoerderung in SoziaAktuell, dem Magazin fuer Sozialarbeit. Ausgerechnet da.
Gerade die Lebensfreude hat es auch meiner Mutter und Reisepartnerin angetan, und sie hatte es nach diesen Ferien auch nicht einfach, sich von dem bezaubernden Suedafrika zu trennen. Mir steht dieser Abschied von Afrika noch bevor, nach rund sechs Monaten...

Wie dem auch sei, seit letztem Sonntag bin ich wieder zurueck in Legon und versuche, alle offenen Aufgaben noch abzuschliessen. Dies klingt einfacher als es ist, zumal mir nun echt die Zeit davon rennt. Den gesamten Montag brauchte ich mehr oder weniger dazu, eine Bleibe auf dem Campus aufzutreiben, da die neu eingetroffenen Studenten die meisten Zimmer bereits belegten. Spaetestens als ich mich beim klempnern wiederfand (der Wasserhahn war noch nicht installiert, die Toilette noch nicht angeschlossen) wusste ich, dass ich mich wieder in Ghana befand. Gestern hatten wir am Nachmittag einen Stromausfall, welcher bis heute anhaelt. Da ich meine Taschenlampe bereits verschenkt hatte, deckte ich mich gestern noch mit einer Kerze ein. Das Wasser musste ich an einem Gartenschlauch zapfen. Da kommt echt Lagerfeuerromantik auf, auch im eigenen Zimmer ;-)
Und dann sind ja immer noch die beiden offenen Geschichten: jene des Maedchens, welches ich in die Schule senden moechte, und jene des Schreiners. Bei beiden hat sich die Situation etwas zugespitzt. Beginnen wir doch beim Schreiner: kurz vor Weihnachten wurde ich aufgefordert auf dem Polizeiposten in Madina zu erscheinen, zwecks Festnahme des Schreiners. Danach ging ich mit den drei Jungs und dem Polizisten zur Werkstatt. Da die Polizei jedoch nicht ueber genuegend Fahrzeuge verfuegt, muss fuer solche faelle ein Taxi gemietet werden. Da der Schreiner nicht zu finden war, wurde einfach einer seiner Brueder festgenommen. Dieser bekraeftigte, dass er mit der Sache nichts zu tun haette und nur fuer die elektrischen Installationen zustaendig sei. Daraufhin wurde der arme Kerl in eine Zelle mit einigen anderen Gefangenen gesperrt. Einen Tag spaeter wusste er dann exakt, wo sich sein Bruder befand: in der Volta Region. So machten sich die drei Jungs zusammen mit dem Polizisten auf den Weg, um das Geld einzutreiben. Und tatsaechlich, CHF 200.- der CHF 250.- konnten so zurueckgeholt werden. Das weitere Vorgehen sieht nun folgendermassen aus: die drei Jungs und ich werden zusammen mit einem anderen Schreiner das erforderliche Holz kaufen gehen (denn dieses stellt die Hauptkosten der Schulbaenke). Danach sollen die Baenke unter staendiger Aufsicht der drei Jungs innert einer Woche gefertigt werden. Klingt aufwaendig, doch wird hoffentlich zum Ziel fuehren.
Die Geschichte mit dem Maedchen gestaltet sich da schon etwas muehsamer. Als ich kurz vor Weihnachten die "Lady", wie sie genannt wird, aufsuchte, kippte die Stimmung. Ich konfrontierte Sie mit der Frage, ob sie denn ernsthaft daran interessiert sei, das Kind in die Schule zu senden, was sie verneinte. Daraufhin sagte sie mir, dass sie mit der Kleinen machen koenne, was sie wolle, schliesslich wolle dieses Kind eh niemand. Die Kleine sei allen egal. Ich versicherte ihr, dass sie zumindest mir nicht egal sei, und ich sie gerne unterstuetzen wuerde. Es gaebe nichts, was ich tun koenne, entgegnete mir darauf die Lady. Als ich ihr von der Moeglichkeit berichtete, diesen Fall an das Departement fuer Soziale Wohlfahrt zu melden, da es sich schliesslich um eine Form von Kinderhandel und -arbeit handle, welche unter der Verfassung und weiteren Gesetzen verboten ist, explodierte die Lady. In ihrer lokalen Sprache begann sie in enthusiastischer Weise zu fluchen. Wenn Blicke toeten koennten... Da die besagte Lady den gesamten Markt zu beherrschen scheint, war vorerst mit keiner Unterstuetzung vor Ort zu rechnen, und ich trug das Anliegen an Helena vom Ministerium. Diese sagte mir, dass ich den Fall unbedingt an den Zustaendigen Direktor des Departementes fuer Soziale Wohlfahrt melden solle. Als ich diese Moeglichkeit in Gedanken durchspielte realisierte ich, dass die Kleine auf diesem Wege mit groesster Wahrscheinlichkeit in dem Kinderheim in Osu landen wuerde. Und da wollte ich sie eigentlich zuletzt sehen, dann doch noch lieber auf dem Nightmarket. So trug ich den Fall erneut an Helena, und sie versicherte mir, dass sie alle Hebel in Bewegung setzen werde, um die Herkunftsfamilie ausfindig zu machen. Wenn wir diese unterstuetzen koennen, ist die Chance gross, dass die Kleine in ihrer eigenen Familie gross werden kann, zumal existentielle Armut das alleinige Motiv fuer deren Weggabe zu schein scheint. Mittlerweilen wurde der Fall an Afrikids gemeldet, eine im Norden des Landes taetige Organisation, welche beduerftige Familien unterstuetzt und zusammenfuehrt. Das klingt doch schon besser. Und nur so nebenbei: Die "Lady" hat, wie sich spaeter herausstellte, drei eigene Kinder, welche alle die Schule besuchen...

Durch mein Engagement habe ich nun auf dem Nightmarket eine gewisse Bekanntheit erlangt. So kam vergangenen Montag eine Frau auf mich zu mit der Frage, ob ich denn DER Pascal sei. Sie haette viel ueber mich gehoert und trage nun die Hoffnung in sich, dass ich eventuell zwei Kinder in die Schule senden koenne. Nach einigen Diskussionen kann ich nun insgesamt drei Kinder vom Nightmarket in die Schule senden. Geschaetzte Kosten fuer das erste Schuljahr: CHF 150.- fuer die drei. Damit das Ganze auch eine gewisse Serioesitaet hat, wird Kennedy das Bezahlen der Schulkosten nach meinem Abgang uebernehmen, und Helena wird sich darum kuemmern, dass die Kinder die Schule auch wirklich besuchen. Ich wuensche den dreien jedenfals nur das Beste fuer ihre Zukunft.

Mit dem Praktikum konnte ich in der Zwischenzeit auch abschliessen. Ich konnnte meine Bewertungen entgegen nehmen, sowohl fuer das Praktikum wie auch fuer die abgelegten Pruefungen. Der Head of Departent bekraeftigte, dass das gesamte Departement meinen Abgang bedaure und wuenschte mir alles Gute fuer die Zukunft. Herr Abrefah, mein Supervisor, zeigte grosse Freude an meinem Geschenk aus der Schweiz: ein 1000 Seiten starkes Werk mit dem Titel "Das Bild der Menschenrechte". Moegen uns die Menschenrechte helfen, zusammen eine bessere Welt zu schaffen.

Gestern Abend verabschiedete ich mich von "meinen" Kindern in Oyarifa, welche mich eigentlich gar nicht gehen lassen wollten. Sie setzten sich alle zusammen auf mein Motorrad und wollten mit mir kommen. Ein lustiges Bild, insbesondere da sich alle bereits im Pyjama befanden... ;-) Ja, ein Abschied ist selten einfach, und mir stehen noch einige bevor. Mit windeseile geht es dem Flugtermin entgegen. Aber natuerlich freue ich mich auch, euch alle bald wieder zu sehen! Bis bald also in der Schweiz!

Nun denn, stay connected, Gruss, Pascal
Last Updated ( Friday, 23 January 2009 )
 
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